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descriptionGrafik: Blutstrom
Die Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus nimmt zu: Rund jeder zehnte Deutsche ist bereits betroffen. Doch viele wissen nichts davon und leben mit einer „Zeitbombe“.
descriptionMann trinkt aus Wasserflasche
Starker Durst, Juckreiz oder Impotenz sind nur einige der vielen Anzeichen von Diabetes. Ob die Erkrankung vorliegt, zeigen Blut- und Urinuntersuchungen.
descriptionArzt hält Apfel
Aktive Mitarbeit des Patienten ist gefragt, wenn es darum geht, den Blutzucker mit gesunder Ernährung, ausreichender Bewegung und Medikamenten zu senken.
descriptionInsulinfläschchen
Insulin lässt sich auf verschiedene Weise verabreichen. Aber es werden auch andere Wirkstoffe und Verfahren entwickelt, etwa die Zelltransplantation.
descriptionHand halten
Für Menschen mit Diabetes ist die aktive Unterstützung von Freunden und Familie wichtig. Die ideale Kost: Viel Obst und Gemüse, wenig Eiweiß und Fett.
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Zeitbombe Zucker

Bei Diabetes mellitus ist der Glukose-Stoffwechsel gestört. Die Zellen können den Zucker aus dem Blut schlechter oder gar nicht mehr aufnehmen. Als Folge ist der Blutzuckerspiegel erhöht. Ursache ist beim Typ-1-Diabetes eine genetische Veranlagung. Beim Typ-2-Diabetes kommt ein ungesunder Lebensstil mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung hinzu.

Im Überblick



Je nach Ursache unterscheidet man zwischen Diabetes mellitus Typ 1 (absoluter Mangel an Insulin) und Typ 2 (mangelnde Empfindlichkeit der Zellen für Insulin). Patienten mit Typ-2-Diabetes bemerken zunächst meist nichts von ihrer Erkrankung, bei Diabetes mellitus Typ 1 dagegen treten die ersten Symptome oft akut auf.

Daneben gibt es noch weitere, seltenere Diabetes-Formen, wie zum Beispiel der medikamenteninduzierte Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).
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Häufigkeit von Diabetes mellitus

Nach Schätzungen der International Diabetes Federation (IDF) aus dem Jahr 2006 leiden weltweit 246 Millionen Menschen an Diabetes. Laut IDF steht Deutschland aktuell mit 7,4 Millionen Betroffenen auf Platz 5 im internationalen Vergleich.

Die meisten an Diabetes Erkrankten in Deutschland, nämlich 90 Prozent, leiden am Typ-2-Diabetes. Dies entspricht 7,2 Millionen Betroffenen. Bereits 2004 waren 6,4 Millionen Menschen wegen eines Diabetes in Behandlung, 1,9 Millionen wurden mit Insulin behandelt. Allerdings ist die Dunkelziffer laut Prof. Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin, München, weitaus höher. Im Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2008 schätzt er die Zahl der Diabetiker in Deutschland auf insgesamt 8 Millionen.
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Die Rolle von Zucker und Insulin

Zucker- oder stärkehaltige Nahrung wird bereits im Mund und dann im Dünndarm in einfache Zuckerbausteine aufgespalten. Dabei entsteht Glukose (Traubenzucker), der wichtigste Energielieferant für Gehirn- und Muskelzellen. Die Glukose wird vom Darm in das Blut aufgenommen und steht dort dem Körper als Blutzucker zur Verfügung. Deshalb steigt der Zuckerspiegel im Blut bei jedem Menschen nach dem Essen an. Der gelöste Zucker wird zu den verschiedenen Organen und Zellen transportiert und dort zur Energiegewinnung verwertet.

Um in die Zellen zu gelangen, muss allerdings ein „Schlüssel“ vorhanden sein: das Insulin. Es bewirkt, dass die Glukose durch die Zellwand hindurch in das Zellinnere dringen kann. Erst dort kann aus Glukose Energie gewonnen werden. Ist dies geschehen, sinkt der Blutzuckerspiegel wieder ab. Somit schwankt der Blutzuckerspiegel im Laufe eines Tages innerhalb bestimmter Grenzen. Bei Menschen mit Diabetes ist die Wirkung des Insulins vermindert (Typ 2), bzw. es ist kein Insulin mehr vorhanden (Typ 1), wodurch die Regulation des Blutzuckerspiegels gestört ist. Zu hohe Blutzuckerspiegel, aber auch zu niedrige machen sich in typischen Beschwerden bemerkbar.

Der Körper legt nicht benötigten Zucker in einer Speicherform – dem sogenannten Glykogen (Stärke) – in der Leber und der Muskulatur ab. Die Glykogenspeicher haben den Vorteil, dass aus ihnen bei Bedarf wieder sehr schnell Zucker gewonnen werden kann. Allerdings ist der „Speicherplatz“ nicht sehr groß, die Leber hat beispielsweise nur für höchstens 75 g Stärke Platz. Weitere Energiereserven kann der Körper in Form von Fett anlegen, um im Bedarfsfall – etwa bei längerem Nahrungsmangel – auf diese Reserve zurückzugreifen.
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Blutzucker und Harnzucker bei Diabetes

Gemessene Blutzuckerwerte werden generell in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in Anzahl der Blutzuckerteilchen – also Moleküle pro Liter (mmol/l, sprich „Millimol pro Liter“) – angegeben. 100 mg/dl entsprechen 5,56 mmol/l.

Beim Stoffwechselgesunden sinkt der Blutzucker im Nüchternzustand nicht unter 60 mg/dl ab. Vor dem Essen liegen die Werte normalerweise zwischen 80 und 100 mg/dl, nach dem Essen steigen sie nicht über 140 mg/dl an. Diese feine Regulierung des Blutzuckers wird hauptsächlich durch das Insulin gewährleistet, das von der Bauchspeicheldrüse je nach Bedarf ausgeschüttet wird.

Bei Patienten mit Diabetes mellitus ist diese Regulation des Blutzuckerspiegels gestört. Hat der Blutzucker einen gewissen Messwert – über 180 mg/dl bzw. 10 mmol/l – erreicht, wird der überschüssige Zucker über die Niere ausgeschieden, das bedeutet: Hier ist die sogenannte Nierenschwelle überschritten. Erst dann kann man Harnzucker (Zucker im Urin) nachweisen.
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Regulieren den Blutzucker: Insulin und Glukagon

Insulin und Glukagon sind zwei Hormone, die in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden und eine wichtige Rolle im Stoffwechsel der Kohlenhydrate und somit bei Diabetes mellitus spielen. Beide Hormone wirken im Körper als Gegenspieler.

Insulin
hat zwei wichtige Funktionen:
  • Senkung des Blutzuckerspiegels
    Insulin regt zum einen die Aufnahme der Glukose in das Muskel- und Fettgewebe an, zum anderen hemmt es die Glukose-Freisetzung aus der Leber. Der aufgenommene Zucker wird entweder zur Energiegewinnung verbrannt oder als Reservezucker im Muskel (Muskelglykogen) und in der Leber (Leberglykogen) gespeichert. Steigt der Blutzucker – etwa nach einer Mahlzeit – an, steigt auch die Insulinausschüttung.
  • Einfluss auf den Fettstoffwechsel
    Insulin reguliert auch den Fettstoffwechsel: Es begünstigt die Bildung von Körperfett und unterdrückt gleichzeitig den Fettabbau (Lipolyse).
Insulin wird in den Beta-Zellen der Langerhansschen Inseln in der Bauchspeicheldrüse gebildet und bei Bedarf ins Blut abgegeben. Mit wachsender Menge an Körperfett sind immer höhere Insulinspiegel notwendig, weil die Körperzellen weniger gut auf das Insulin ansprechen (Insulinresistenz); dies führt zu einem relativen Insulinmangel. Auf Dauer erschöpft sich aber durch langzeitige Überproduktion die Insulinbildung der Bauchspeicheldrüsenzellen.

Glukagon wirkt im Körper genau entgegengesetzt zu Insulin: Es hebt den Blutzuckerspiegel, indem es den Abbau von Glykogen in der Leber steigert, und es fördert den Fettabbau. Steigt der Blutzuckerspiegel, wird die Ausschüttung von Glukagon gehemmt, bei niedrigem Blutzuckerspiegel ist die Sekretion hingegen gesteigert.
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Krankheiten oder Medikamente als Auslöser für Diabetes mellitus

Diabetes mellitus kann auch im Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten auftreten. Dies sind beispielsweise Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose oder eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Auch im Rahmen einiger Hormonerkrankungen kann ein Diabetes auftreten. Genetische Krankheitsbilder wie das Down-, Klinefelter- oder Turner-Syndrom sind ebenfalls gelegentlich mit einem Diabetes verbunden.

Daneben können Medikamente zum Auftreten eines Diabetes mellitus beitragen. Hier sind das Kortison und seine Abkömmlinge, Schilddrüsenhormone und manche blutdrucksenkende bzw. entwässernde Medikamente (z.B. Diazoxid, Thiazide) zu nennen.

Diese durch Krankheiten, genetische Defekte oder Medikamente ausgelösten Formen von Diabetes sind selten und bilden eigene Gruppen in der Klassifizierung von Diabetes. Die häufigsten Diabetes-Formen sind jedoch der Typ-1- und der Typ-2-Diabetes.


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Diabetes mellitus Typ 1 und 2: Was ist der Unterschied?

Diabetes Typ 1

Der Typ-1-Diabetes tritt am häufigsten in jüngeren Lebensjahren auf. Deshalb wurde diese Diabetes-Form früher auch als jugendlicher oder juveniler Diabetes bezeichnet. Nicht selten beginnt er mit plötzlich einsetzenden Beschwerden, wie z.B. Bewusstseinsverlust. Diabetes Typ 1 beruht auf einem absoluten Mangel an Insulin infolge zerstörter insulinproduzierender Zellen (Beta-Zellen) der Bauchspeicheldrüse. Als mögliche Ursachen werden bei Diabetes Typ 1 verschiedene Faktoren diskutiert, nämlich eine Fehlsteuerung des Immunsystems, erbliche Veranlagung und äußere Faktoren (z.B. bestimmte Virusinfektionen). Wie bei anderen Autoimmunkrankheiten bildet der Körper in den allermeisten Fällen Antikörper gegen die eigenen Zellen. Diese richten sich unter anderem gegen die insulinproduzierenden Inselzellen und zerstören sie. Nun kann kein Insulin mehr produziert und Glukose nicht mehr aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden: Der Blutzucker steigt an. Da der Körper kein eigenes Insulin mehr bilden kann, muss es als Medikament gegeben werden.

Info
Als Sonderform gilt der LADA (latent autoimmune diabetes in adults), eine latent insulinpflichtige Diabetesform mit Auftreten im Erwachsenenalter.

Diabetes Typ 2
Bei dieser Diabetes-Form, die auch Altersdiabetes genannt wird, liegt eine Insulinresistenz der Körperzellen vor, was zunächst eine erhöhte Insulinproduktion zur Folge hat, die aber keine Wirkung zeigt (relativer Insulinmangel). Im weiteren Verlauf führt diese Überproduktion zur Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse, was auch die Insulinproduktion immer weiter abnehmen lässt, sodass auch bei dieser Diabetes-Form eine Insulintherapie notwendig werden kann. Typ-2-Diabetes macht sich meist nach dem 40. Lebensjahr erstmals bemerkbar. Risikofaktoren sind Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Häufig tritt diese Diabetes-Form im Rahmen eines metabolischen Syndroms auf.

Info
Als MODY-Diabetes (Maturity Onset Diabetes mellitus in Young people) bezeichnet man eine stark erbliche Form des Diabetes Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen aufgrund eines Gendefektes.

Die Hauptmerkmale der beiden Diabetes mellitus-Typen sind in der Tabelle gegenübergestellt:

Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 2
Beginn akut, meist im Kindes- und Jugendalter meist schleichend, häufig nach dem 40. Lebensjahr
Familiäre Häufung (3 –25 Prozent) (25 –50 Prozent
)
Körpergewicht meist Ideal- bis Normalgewicht meist Übergewicht
Ketoseneigung ausgeprägt fehlend oder gering
Symptome Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust, Müdigkeit häufig keine Beschwerden
Therapie immer insulinpflichtig kann insulinpflichtig werden

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Ursachen und Risikofaktoren bei Diabetes Typ1

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 liegt als Ursache meist eine Autoimmunerkrankung vor, bei der sich Abwehrzellen gegen die eigenen Zellen in der Bauchspeicheldrüse richten. Warum es zu dieser Autoimmunreaktion kommt, ist noch nicht eindeutig geklärt – doch die Vererbung ist von Bedeutung.

Das Immunsystem spielt also eine ganz entscheidende Rolle: Bei mindestens 90 Prozent der frisch erkrankten Patienten lassen sich im Blut verschiedene Antikörper nachweisen, die fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe und Substanzen gerichtet sind. Deshalb spricht man auch von einer Autoimmunkrankheit bzw. der immunologisch vermittelten Form des Diabetes. Unter diesen Autoantikörpern finden sich Inselzellantikörper (ICA), Insulinautoantikörper (IAA), Antikörper gegen das Enzym Glutamatdecarboxylase (GADA) und Antikörper gegen die Tyrosinkinase IA-2. Bei einem kleinen Teil der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 lassen sich allerdings weder Antikörper noch irgendeine andere Ursache für die Erkrankung finden. Man spricht dann von der idiopathischen Form. Weitere Risikofaktoren wie zum Beispiel der Einfluss der Ernährung werden zurzeit noch diskutiert.

Die Zerstörung der Inselzellen beginnt bereits Monate bis Jahre vor dem eigentlichen Beginn des Diabetes: Bereits zehn Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch des Diabetes Typ 1 können Inselzellantikörper im Blut nachgewiesen werden. Erst wenn 80 bis 90 Prozent des Insulin herstellenden Gewebes in der Bauchspeicheldrüse vernichtet sind, kommt es zum Ausbruch des Diabetes mellitus.

Warum solche Autoantikörper entstehen, ist heute noch eine weitgehend ungelöste Frage. Es wird vermutet, dass bestimmte Infektionen (zum Beispiel Masern, Mumps, Röteln, Coxsackieviren) auf ein erblich vorgegebenes, besonders reagierendes Immunsystem treffen. Dabei erhalten vermutlich die Lymphozyten den falschen „Befehl“, die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse zu zerstören.
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Die Rolle der Gene bei Diabetes mellitus

Sowohl Vererbung als auch äußere Faktoren zählen zu den Auslösern von Diabetes mellitus. Ist ein Elternteil an Diabetes Typ 1 erkrankt, beträgt das Erkrankungsrisiko für das Kind drei bis fünf Prozent. Es steigt auf 10-25 Prozent, wenn beide Eltern an Diabetes Typ 1 erkrankt sind.

Die erbliche Komponente bei Diabetes mellitus Typ 1 wird durch genetische Besonderheiten der Abwehrzellen erklärt. Beim Typ-1-Diabetiker sind dies Merkmale auf der Zelloberfläche, die sogenannten HLA-Faktoren (HLA = Humanes-Leukozyten-Antigen).

Eine viel größere Rolle als bei Diabetes mellitus Typ 1 spielt die Vererbung bei Diabetes Typ 2: Hier liegt das Erkrankungsrisiko für das Kind schon bei 25-50 Prozent, wenn nur ein Elternteil an Diabetes Typ 2 erkrankt ist.
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Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Union vom Jahr 2008 gibt es in Deutschland rund 25.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre mit einem Diabetes Typ 1 . Dieser ist mit 90 Prozent die häufigste Diabetesform in diesem Alter. Dabei steigt die Neuerkrankungsrate jährlich um drei bis vier Prozent an und liegt momentan bei 13 pro 100.000. Aber auch Diabetes Typ 2 ist auf dem Vormarsch, da es immer mehr übergewichtige Kinder gibt. Hier liegt die Neuerkrankungsrate bei 2 pro 100.000. Das entspricht 200 Kindern im Alter von 12–19 Jahren, die jährlich in Deutschland neu an Diabetes Typ 2 erkranken. Oft findet sich bei diesen Patienten auch gleichzeitig eine Hypertonie. Eine Sonderform des Diabetes, die stark erblich ist, nennt man MODY-Diabetes (maturity onset Diabetes mellitus in young people). Zur Diagnose des Diabetes gelten die gleichen Methoden wie für Erwachsene.
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Diabetes-Risikofaktoren bei Kindern und Jugendlichen

Wirksame Strategien zur Verhinderung einer Diabetes-Erkrankung gibt es (noch) nicht. Daher wird auch kein generelles Screening bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Jedoch sind Risikofaktoren für die Entstehung eines Diabetes mellitus bekannt. Risiko- bzw. Vorhersagefaktoren für Diabetes Typ 1 bei Kindern sind:
  • Diabetes in der Familie
    10–15 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 haben eine positive Familienanamnese, das heißt erstgradige Verwandte, die ebenfalls unter Diabetes mellitus leiden. Das Erkrankungsrisiko für Diabetes Typ 1 ist für Kinder mit einem an Diabetes erkrankten Vater dreifach höher als für Kinder mit einer an Diabetes erkrankten Mutter.
  • Ernährung
    Studien weisen darauf hin, dass ein früher Kontakt mit Kuhmilch oder glutenhaltigem Getreide im Säuglingsalter das Risiko für einen Diabetes Typ 1 erhöht. Insofern wird dem Stillen ein schützender Effekt zugesprochen.
Risiko- bzw. Vorhersagefaktoren für Diabetes Typ 2 bei Kindern sind:
  • Diabetes in der Familie
    Ist ein Elternteil an Diabetes Typ 2 erkrankt, beträgt das Erkrankungsrisiko für das Kind 25–50 Prozent. Auffällig ist die Rolle der Vererbung bei der Sonderform MODY-Diabetes (maturity onset Diabetes mellitus in young people), die dominant vererbt wird und bei Kindern und Jugendlichen vor dem 25. Lebensjahr auftritt.
  • Übergewicht
    Übergewicht gilt als eine der Hauptursachen für die dramatische Zunahme von Diabetes Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass etwa 7 Prozent aller adipösen Jugendlichen einen gestörten Glukosestoffwechsel aufweisen.
  • Ethnische Herkunft
    Innerhalb bestimmter ethnischer Gruppen ist das Vorkommen von Diabetes Typ 2 bei adipösen Jugendlichen besonders hoch. Daneben können auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Dies gilt zum Beispiel für Amerikaner afrikanischer Herkunft, Personen mexikanisch-amerikanischer Abstammung und Menschen südasiatischer bzw. arabischer Herkunft.

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Ursachen und Risikofaktoren bei Diabetes Typ 2

Bei Diabetes mellitus Typ 2 trägt die genetische Veranlagung ganz entscheidend zum Ausbruch der Erkrankung bei – neben äußeren Faktoren. Hier sind als Risikofaktoren vor allem Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel zu nennen. Erheblichen Einfluss hat hier das metabolische Syndrom. Über 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind deutlich übergewichtig. Weiterhin begünstigt ein höheres Lebensalter das Auftreten des Diabetes Typ 2. Allerdings wird in den letzten Jahren diese Diabetesform auch immer häufiger bei Kindern und Jugendlichen beobachtet.

Außerdem können verschiedene Medikamente, Krankheiten und auch eine Schwangerschaft das Auftreten von Diabetes Typ 2 begünstigen. Bei Männern scheinen weiterhin Bluthochdruck, Rauchen sowie Alkoholkonsum, bei Frauen ein hoher Harnsäurespiegel und körperliche Inaktivität das Risiko für Diabetes zu erhöhen.

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Das metabolische Syndrom begünstigt die Entstehung von Diabetes Typ 2

Die für den Diabetes mellitus Typ 2 charakteristische Insulinresistenz kann häufig bei übergewichtigen Personen mit Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten beobachtet werden. Die Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und gestörtem Glukosestoffwechsel wird als metabolisches Syndrom oder auch als „Wohlstandssyndrom“ bezeichnet. 20 bis 30 Prozent der Deutschen sind vom metabolischen Syndrom betroffen. Viele davon entwickeln bereits früh Schäden an Blutgefäßen und haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Man muss daher bei Menschen mit starker erblicher Belastung für Diabetes mellitus Typ 2, aber auch bei Menschen aus Familien mit hohem Blutdruck regelmäßig nach Gefäßkomplikationen sowie dem Vorhandensein eines Diabetes Typ 2 fahnden.

Problematisch: Bauchfett
Bei der Entstehung der genannten Erkrankungen kommt dem Fettgewebe eine wichtige Rolle zu: Es ist nicht nur Energiespeicher, sondern wirkt als Organ, das verschiedene Botenstoffe produziert. Insbesondere das Bauchfett setzt Botenstoffe frei, die eine chronische Entzündung hervorrufen und somit die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen können. Außerdem vermindert es die Insulinwirkung und fördert so die Entstehung von Diabetes. Schließlich werden im Bauchfett auch Substanzen gebildet, die die Blutgerinnung und den Blutdruck beeinflussen können.

Einer Untersuchung zufolge scheint ein bestimmtes, von Fettzellen freigesetztes Protein eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Insulinresistenz zu spielen. Dieses Retinol-binding Protein 4 (RBP4) könnte in Zukunft vielleicht als Risikomarker für einen Typ-2-Diabetes dienen und für Vorhersagen und das Protokollieren/Messen der Wirksamkeit vorbeugender Maßnahmen genutzt werden.
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Gestationsdiabetes: Schwangerschaft als Auslöser für Diabetes mellitus

Als Gestationsdiabetes (oder Schwangerschaftsdiabetes) bezeichnet man eine Stoffwechselstörung der Kohlenhydrate, die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt bzw. erkannt wird. In Deutschland wird diese Form des Diabetes bei etwa fünf bis zehn Prozent der Schwangeren beobachtet. Wird ein solcher Gestationsdiabetes rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das Risiko für Mutter und Kind weitgehend minimiert werden. In 85 Prozent aller Fälle genügt als Therapie bereits eine vollwertige, gesunde Ernährung, in 15 Prozent der Fälle muss man jedoch zusätzlich Insulin geben. Durch den zurzeit üblichen Harnzuckertest werden allerdings nur 0,2 Prozent der Schwangeren mit Gestationsdiabetes entdeckt. In den meisten Fällen verschwindet der Diabetes nach der Schwangerschaft wieder. Allerdings hat ein Teil dieser Frauen ein erhöhtes Risiko, später in ihrem Leben an Diabetes zu erkranken: Circa 30 Prozent der Betroffenen entwickeln nach zehn Jahren einen Diabetes, meist einen Diabetes Typ 2.

Ursachen des Gestationsdiabetes

Die Ursachen des Gestationsdiabetes liegen einerseits an verschiedenen Schwangerschaftshormonen, die den Blutzuckerspiegel erhöhen können (z.B. Östrogen, humanes Plazentalaktogen). Andererseits spielt unausgewogene Ernährung als Ursache eine Rolle. Die Ausschüttung von Insulin erfolgt verzögert und die Empfindlichkeit der Organe für Insulin ist herabgesetzt. Das hat erhöhte Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten zur Folge.

Eine erhöhte Gefahr, an Gestationsdiabetes zu erkranken, besteht bei folgenden Risikofaktoren:
  • Übergewicht der schwangeren Frau
  • Diabetes in der engeren Familie
  • eigenes Geburtsgewicht höher als 4.000 g
  • wiederholte Fehlgeburten
  • vorausgegangene Geburt, bei der das Neugeborene über 4.000 g schwer war.
Folgen für Mutter und Kind
Ein Gestationsdiabetes verläuft meist ohne die typischen Diabetes-Symptome und betrifft eher die kindliche Entwicklung und die Geburt. Durch die erhöhten Blutzuckerwerte produziert das Ungeborene vermehrt Insulin, wodurch verstärkt Zucker und Fett im Körper gespeichert werden. In der Folge wird das Kind im Mutterleib dicker und größer (Makrosomie). Gleichzeitig produziert es mehr Urin, wodurch sich die Fruchtwassermenge erhöht (Hydramnion). So steigt das Risiko für eine Frühgeburt, und die Größe des Kindes kann die Geburt erschweren. Frauen mit Gestationsdiabetes werden daher häufiger per Kaiserschnitt oder Saugglocke entbunden. Weil außerdem die Durchblutung des Mutterkuchens und somit die Sauerstoffversorgung des Kindes gestört sein kann, haben die Kinder ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Neugeborenengelbsucht (Ikterus). Außerdem besteht während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte und Bluthochdruck.

Diagnose des Gestationsdiabetes
Die bisher übliche Urinuntersuchung im Rahmen der Schwangerenvorsorge ist zur Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes zu ungenau. Verschiedene Fachgesellschaften empfehlen deshalb einen generellen Suchtest bei Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. Bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen Gestationsdiabetes sollte der Diagnose-Test schon in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft durchgeführt werden. So funktioniert der Diagnose-Test: Der Frau wird ein Glukosetrunk mit 50 g Glukose verabreicht, eine Stunde später wird der Blutzucker gemessen. Liegt der Wert über 140 mg/dl (7,8 mmol/l) (kapilläres Vollblut), besteht der Verdacht auf Gestationsdiabetes. In diesem Fall empfiehlt sich der Orale Glukosetoleranztests (OGTT) mit 75 g Glukose. Von einem Gestationsdiabetes spricht man, wenn bei zwei oder drei Kontrollen die Grenzwerte für den Blutzucker überschritten werden.

Gute Stoffwechseleinstellung ist wichtig
Sobald die Diagnose Gestationsdiabetes klar ist, muss eine gute Stoffwechseleinstellung erfolgen. Wichtig sind körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen. In manchen Fällen ist eine Therapie mit Insulin notwendig. Mit einer guten Einstellung lässt sich das Risiko für die Schwangere und das Kind auf das einer normalen Schwangerschaft senken.

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Grafik: Blutstrom
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Tatort Blut: Bei Diabetes mellitus zirkulieren zwischen roten und weißen Blutkörperchen übermäßig viele Zuckermoleküle im Blutkreislauf.
Grafik: Verdauungsorgane
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Vom Darm in die Zellen: Bei der Verdauung werden Zucker und Stärke aus der Nahrung in Glukose aufgespalten, die den Zellen Energie liefert. Bei Diabetes ist dieser Stoffwechsel gestört.
Grafik: Blutzuckerspiegel
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Alamierende Werte: Übersteigt der Blutzucker die Nierenschwelle (etwa bei 180 mg/dl), tritt Zucker in den Harn über. Am Morgen ist die Konzentration am höchsten und im Urin gut nachweisbar.